11.10.2026
Sie halten die Polizei am Laufen – und werden trotzdem ausgebremst
Polizei auf Sparflamme: Wer dauerhaft mehr leistet, muss auch besser bezahlt werden!
Tarifbeschäftigte brauchen endlich faire Bezahlung und echte Perspektiven.
Der Landespolizei fehlen Personal und qualifizierte Fachkräfte, während ihre Aufgaben anspruchsvoller werden. Cyberkriminalität, Digitalisierung und Krisenvorsorge verlangen zusätzliche Kompetenzen. Trotzdem wird das Potenzial der Tarifbeschäftigten noch immer nicht konsequent genutzt.
Tarifbeschäftigte sichern zentrale Bereiche der Polizei. Dennoch fehlen ihnen häufig klare Entwicklungsperspektiven, passende Fortbildungsangebote und nachvollziehbare Entwicklungswege. Tätigkeitsbeschreibungen werden nicht immer zeitnah angepasst. Höherwertige Aufgaben werden teilweise informell übertragen, ohne anschließend zu prüfen, ob die Eingruppierung noch der tatsächlichen Tätigkeit entspricht. Das ist weder wertschätzend noch zukunftsfähig.
Höherwertige Arbeit gibt es nicht zum Nulltarif
Wenn Stellen unbesetzt bleiben oder Beschäftigte ausfallen, übernehmen unsere Kolleginnen und Kollegen zusätzliche Aufgaben. Einsatzbereitschaft und Loyalität dürfen jedoch nicht zur kostenlosen Personalreserve werden.
Dabei gilt, dass nicht jede zusätzliche Aufgabe automatisch zu einer höheren Eingruppierung führt. Werden aber höherwertige Tätigkeiten übertragen oder verändert sich das Aufgabenprofil dauerhaft, muss der Arbeitgeber handeln. Die übertragenen Tätigkeiten müssen dokumentiert und tariflich bewertet werden. Daraus entstehende Ansprüche auf eine höhere Eingruppierung oder eine Zulage müssen konsequent umgesetzt werden.
Die GdP MV fordert deshalb regelmäßige Überprüfungen der Tätigkeitsbeschreibungen und nachvollziehbare Entscheidungen über Eingruppierungen und Zulagen. Das Prinzip „Du kannst das, also machst du das“ darf keine Personalstrategie sein!
„Wer dauerhaft mehr Verantwortung übernimmt, darf nicht mit einem Dankeschön abgespeist werden. Höherwertige Arbeit muss korrekt bewertet und fair bezahlt werden.“
Perspektiven statt Pflichttermine
Die Landespolizei braucht endlich ein verbindliches Personalentwicklungskonzept für Tarifbeschäftigte. Regelmäßige Qualifizierungsgespräche sind keine freiwillige Gefälligkeit des Arbeitgebers, sondern im TV-L vorgesehen. Sie dürfen nicht nur auf dem Papier stehen oder als Pflichttermin abgearbeitet werden. Führungskräfte müssen gemeinsam mit den Beschäftigten klären, welche Fähigkeiten vorhanden sind, welche Entwicklungsschritte möglich sind und welche Fortbildungen dafür benötigt werden. Entscheidend ist, dass aus diesen Gesprächen konkrete Angebote und Perspektiven entstehen.
Auch Hospitationen und behördenübergreifende Wechsel müssen einfacher werden. Wer sich beruflich verändern möchte, braucht eine faire Chance und keine unnötigen Hürden. Freie Stellen sollten deshalb grundsätzlich zunächst landesweit intern ausgeschrieben werden. Externe Personalgewinnung bleibt notwendig, darf aber nicht dazu führen, dass die eigenen Beschäftigten bei Entwicklungsmöglichkeiten übergangen werden.
Die Konkurrenz sitzt direkt nebenan
Wer glaubt, Tarifbeschäftigte müssten für bessere Bedingungen in die Privatwirtschaft wechseln, irrt. Attraktive Alternativen finden sie bereits innerhalb des öffentlichen Dienstes.
Eine dpa-Umfrage vom Mai 2026 ergab allein für fünf Kreisverwaltungen in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 418 unbesetzte Stellen. Für den Landkreis Rostock wurde keine aktuelle Zahl genannt. Nicht alle diese Stellen waren akut ausgeschrieben oder aufgrund fehlender Bewerbungen unbesetzt. Die Größenordnung zeigt dennoch, wie groß der Personalbedarf und damit der Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte inzwischen ist.
In den Kreisverwaltungen gilt grundsätzlich der TVöD-VKA. Dieser sieht regelmäßig 39 Wochenstunden vor, während es für Beschäftigte nach dem TV-L in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich 40 Stunden sind. Zudem bietet der TVöD-VKA derzeit in vielen Entgeltgruppen und Stufen höhere Tabellenentgelte.
Zwei Beispiele verdeutlichen den Unterschied:
- In der Entgeltgruppe 6, Stufe 5, beträgt das Tabellenentgelt nach TV-L 3.768,15 Euro. Nach TVöD-VKA sind es 3.855,50 Euro – ein Unterschied von 87,35 Euro brutto im Monat.
- In der Entgeltgruppe 9b, Stufe 6, stehen 5.014,87 Euro nach TV-L einem Tabellenentgelt von 5.313,37 Euro nach TVöD-VKA gegenüber. Der Unterschied beträgt 298,50 Euro brutto im Monat.
Stand: Oktober 2026. Verglichen werden die monatlichen Tabellenentgelte ohne Zulagen, Leistungsentgelt und Jahressonderzahlung.
Welche Entgeltgruppe für eine konkrete Stelle gilt, richtet sich nach der jeweiligen Tätigkeit und der maßgeblichen Entgeltordnung. Die Unterschiede bei Tabellenentgelt und regelmäßiger Arbeitszeit bleiben dennoch bestehen.
„Die Konkurrenz um Fachkräfte sitzt längst nebenan, in der nächsten Kreisverwaltung. Und zwar mit kürzerer Wochenarbeitszeit und teilweise höherem Tabellenentgelt.“
Die Botschaft ist eindeutig! Das Land steht längst im direkten Wettbewerb mit anderen öffentlichen Arbeitgebern. Wer keine Perspektiven bietet, höherwertige Tätigkeiten nicht angemessen bewertet und bei den Arbeitsbedingungen zurückbleibt, darf sich über Abwanderung nicht wundern. Fachkräfte verlassen nicht immer den öffentlichen Dienst manchmal wechseln sie einfach zur nahen gelegenen Kreisverwaltung, weil sie dort besser verdienen, weniger arbeiten und je nach Wohnort zusätzlich Fahrtzeit und Kraftstoffkosten sparen.
Dankesworte reichen nicht
Von der neuen Landesregierung und der Führung der Landespolizei erwarten wir ein verbindliches Personalentwicklungskonzept für Tarifbeschäftigte. Dazu gehören regelmäßige Qualifizierungsgespräche, aus denen konkrete Entwicklungsmöglichkeiten entstehen, ein breiteres Fortbildungs- und Hospitationsangebot sowie aktuelle Tätigkeitsbeschreibungen und tarifgerechte Bewertungen. Auch interne Stellenbesetzungen müssen transparent und nachvollziehbar erfolgen.
Tarifbeschäftigte sind weder ein Randbereich noch Lückenfüller. Sie sind ein unverzichtbarer Teil der Polizei. Wer Fachkräfte halten will, muss ihnen mehr bieten als Dankesworte. Ohne faire Bezahlung, echte Entwicklungschancen und spürbare Wertschätzung wird die Landespolizei weiter an Attraktivität verlieren.
Alexander Bobzin, stellvertretender Landesvorsitzender und Vorsitzender der Landestarifkommission
