30.06.2026
Im Einsatz für Sicherheit und Demokratie: Wir gratulieren zu 75 Jahren Bereitschaftspolizei
Seit ihrer Gründung im Jahr 1950 ist die Bereitschaftspolizei ein unverzichtbarer Bestandteil der Inneren Sicherheit. Ob bei Großveranstaltungen, Demonstrationen, Fußballspielen, Naturkatastrophen, besonderen Einsatzlagen oder zur Unterstützung anderer Polizeidienststellen: Unsere Kolleginnen und Kollegen der Bereitschaftspolizeien leisten Tag für Tag einen wichtigen Beitrag für Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und den Schutz unserer Demokratie.
Die Anforderungen an die Bereitschaftspolizei haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig verändert. Gesellschaftliche Entwicklungen, neue Bedrohungslagen und eine zunehmende Komplexität von Einsatzgeschehen verlangen den Beschäftigten ein Höchstmaß an Professionalität, Flexibilität und Belastbarkeit ab. Dabei stehen sie oft im Fokus der Öffentlichkeit und leisten ihren Dienst unter herausfordernden Bedingungen rund um die Uhr und überall dort, wo sie gebraucht werden.
Als Gewerkschaft der Polizei danken wir allen Kolleginnen und Kollegen der Bereitschaftspolizeien für ihren Einsatz, ihre Loyalität und ihre hohe Motivation. Ihr Engagement verdient Anerkennung, Respekt und eine verlässliche Unterstützung durch Politik und Gesellschaft.
Jochen Kopelke, GdP-Bundesvorsitzender gratuliert im Namen seiner Organisation:
75 Jahre Bereitschaftspolizei stehen für 75 Jahre Einsatz für unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat und die Sicherheit der Menschen. Die Kolleginnen und Kollegen übernehmen Verantwortung in oft anspruchsvollen und belastenden Situationen.
Ihr Engagement, ihre Professionalität und ihre Einsatzbereitschaft verdienen höchste Wertschätzung. Gleichzeitig bleibt es unsere gemeinsame Aufgabe, für moderne Ausstattung, ausreichendes Personal und attraktive Arbeitsbedingungen zu sorgen.
Zum Jubiläum blicken wir mit Stolz auf die Geschichte der Bereitschaftspolizei zurück und mit Zuversicht in die Zukunft!
Herzlichen Glückwunsch zu 75 Jahren Bereitschaftspolizei!
Vor schwerem Gerät und mit dem Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder (IBPdL), Andreas Schmenkel-Backhoff (2.v.l.).
Das Gratulationstrio am Ort der BePo-Feierlichkeiten in Berlin: (v.l.) GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke, das Berliner GBV-Mitglied Sibylle Krause und der langjährige BePo-Experte und GdP-Bundeskassierer Clemens Murr.
Die Ansprache des Inspekteurs der Bereitschaftspolizeien der Länder (IPBdL), Andreas Schmenkel-Backhoff im Wortlaut:
Wir alle können meines Erachtens sehr stolz sein auf den Status quo unserer nun 75 beziehungsweise 35 Jahre alten deutschen Bereitschaftspolizeien.
Dieser Status quo, vor allem, dass die Bereitschaftspolizeien in Deutschland eine hohe Einsatzfähigkeit und sehr gute Kompatibilität haben, ist der Verdienst vieler, auf der Führungs- und Ausführungsebene, vor allem bei Ihnen in den Ländern.
Zu dem Status quo der BPdL gehört neben Einsatzfähigkeit und Kompatibilität auch eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz.
Die deutschen Polizeien sind moderne demokratische Bürgerpolizeien
und
die Bereitschaftspolizeien, im Ausland oft als Interventionspolizei bezeichnet, sind untrennbarer Teil dieser Bürgerpolizei.
Es ist eine besondere Auszeichnung, wenn eine Interventionspolizei, deren Kernaufgabe unter anderem Grundrechtseingriffe sind, als Bürgerpolizei anerkannt ist.
Wir haben uns das dadurch verdient, dass wir uns konsequent an geltendes Recht halten, dass wir eben nicht nur in Grundrechte eingreifen, sondern sie aktiv schützen und wir uns vor allen Dingen ausnahmslos dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verpflichtet fühlen.
Der folgende Gedanke mag jetzt ein wenig überraschen: Der erfolgreiche Wasserwerfereinsatz in Berlin am vergangenen Sonntag ist, wenn man genau hinsieht, weitaus mehr als nur eine gute Idee und Charmingoffensive. Er ist für mich vielmehr ein symbolischer Ausdruck dessen, dass wir die Menschen in unserem Land eben nur anlassbezogen und differenziert als Störer oder als Straftäter wahrnehmen. Wir sehen in Ihnen vor allen Dingen unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Das macht uns aus – und mit dieser Haltung hilft die Polizei gern einmal aus, wenn es unerträglich heiß ist.
Die Bereitschaftspolizeien in Deutschland sind seit Jahrzehnten das, was man früher als „Freund und Helfer“ bezeichnet hat.
Es ist unsere höchste Verpflichtung als Ausdruck unseres demokratischen, bürgerpolizeilichen Verständnisses, Grundrechte ausnahmslos und mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln zu schützen.
Die deutsche Polizei schützt Parteitage, weil sie ein bedeutsames Instrument in der politischen Willensbildung in unserer Demokratie sind. Es gäbe keine demokratische Bereitschaftspolizei, wenn wir bei solchen Einsätzen etwa parteipolitische Positionen zum Anlass nehmen würden, unser Einsatzgeschehen daran auszurichten.
Es ist anderen Behörden überlassen, über die Rechtsstaatlichkeit und Verfassungskompatibilität von Parteien und von Geschehnissen auf solchen Parteitagen zu befinden.
Für die Bereitschaftspolizei besteht bei solchen Anlässen kein Raum für eine an politischen Positionen orientierte Einsatzdifferenzierung.
Genau das ist gelebte Demokratie und rechtsstaatliche Bürgerpolizei.
In diesem Zusammenhang komme ich nicht umhin, meinem ausdrücklichen Befremden, ja geradezu meiner Erschrockenheit Ausdruck zu verleihen, dass für das kommende Wochenende via Internet gesundheits-, ja sogar lebensgefährliche Aktionen initiiert werden sollen.
Wer zum gezielten Einsatz von Zwillen gegen Einsatzkräfte aufruft, begibt sich eindeutig in die Ecke des Rechtsbruchs.
Aber: Trotz dieser massiven Aufrufe zur Gewalt gegen Einsatzkräfte werden alle Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet am kommenden Wochenende mit großem Engagement alles dafür tun, unsere Rechtsordnung zu schützen und damit unser demokratisches Gemeinwesen zu bewahren.
Dafür gebührt allen Einsatzkräften ein höchstes Maß an Dank und Anerkennung. Sie erfüllen ihre Pflicht auch unter Einsatz ihrer körperlichen Unversehrtheit, um die ihnen gesetzlich übertragenen, staatlichen Schutz- und Sicherheitsaufgaben umzusetzen.
Es ist eine große Freude und auch folgerichtig, dass wir insgesamt wieder über eine Stärke von etwa 16.000 Beamtinnen und Beamten bei den Bereitschaftspolizeien der Länder verfügen.
Es gab, so etwa Anfang der 2000er Jahre, bundesweit Bemühungen um personelle Einsparungen bei einigen Polizeien. Aber die Sicherheitslage in unserem Land lässt für mich seit vielen Jahren keine Zweifel daran, dass Einsparungen im operativen Polizeibereich nicht vertretbar sind. Im Gegenteil.
Die vor uns liegenden Herausforderungen mit Blick auf den gesamtgesellschaftlichen Verteidigungsauftrag und die damit verbundenen Anforderungen an Durchhaltefähigkeit, Resilienz und Redundanz fordern zeitnah wie perspektivisch erhebliche ergänzende personelle und materielle Anstrengungen.
Wir werden diese Herausforderungen nur gemeinsam stemmen können, die Länder und der Bund. Es ist notwendig wie beruhigend, dass die Erhebung und Planung dessen, was zu tun ist, aktuell Gegenstand der gemeinsamen Bund‑ und Länderbefassungen ist.
Gleichermaßen klug wie erforderlich ist zudem aus meiner Sicht die zunehmende Organisation auch von bereitschaftspolizeilichen Belangen in den sogenannten Verbünden: Nordverbund, Südverbund, Sicherheitskooperation, um einige zu nennen.
Das Denken und Organisieren bereitschaftspolizeilicher Herausforderungen in solchen Verbünden macht den gemeinsamen Einsatz nicht nur effektiver, es ist auch ein wirksamer Beitrag für Effizienzerfordernisse. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diesen Weg noch intensiver werden gehen müssen; da sind die Möglichkeiten und Grenzen noch lange nicht ausgereizt.
Und als wäre all dies nicht schon genug, haben wir es auch noch mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun. Es kommen neue Generationen als Nachwuchskräfte in unsere Polizeien, die anders schulisch und gesellschaftlich sozialisiert sind und deren Bedürfnissen wir uns organisatorisch und unter Führungsaspekten weiter werden stellen müssen.
Wir müssen alle notwendigen Anstrengungen dafür unternehmen, auch zukünftig attraktive Arbeitgeber zu sein, damit wir den notwendigen Nachwuchs rekrutieren können und damit die jungen Menschen bei ihrer getroffenen Berufswahl bleiben, auch wenn sie vielleicht ein anderes Verständnis von Beruf im Sinne einer Berufung haben und es einigen vielleicht eher um einen Job, gut eingebettet in die Work-Life-Balance, geht.
Fest aber steht: Der Einsatzwille auch der jungen Beamtinnen und Beamten ist hoch, dank auch sehr guter Vorgesetzter und Ausbilder. Um langfristig für Attraktivität und personelle Stabilität zu sorgen, müssen die Gesamtstärken der Bereitschaftspolizeien auf den Prüfstand, um die hohen Einsatzbelastungen vor allem auch an Wochenenden besser und gerechter zu verteilen.
75 oder 35 Jahre Bereitschaftspolizei sind auch Jahre der ständigen Anpassungen an gesellschaftliche Erfordernisse und Entwicklungen der Sicherheitslage.
Die Bereitschaftspolizeien sind in den letzten Jahren um vieles robuster geworden, insbesondere nach den schlimmen Anschlägen in Paris im Jahr 2015. Diese Anschläge waren für die Bereitschaftspolizeien ein bedeutsamer Wendepunkt. Robuste Einheiten mit entsprechenden Schutzausstattungen und Bewaffnungen wurden bundesweit auf- und ausgebaut.
So notwendig die mit zunehmenden Robustheitserfordernissen verbundenen, professionellen Anpassungen aber auch sind:
Wir müssen entschlossen unseren Fokus darauf ausrichten, dass wir auch zukünftig eine moderne, demokratische Bürgerpolizei bleiben wollen. Die Philosophie und Haltung einer zivilen, von den Menschen akzeptierten Bürgerpolizei muss uns im Kopf und im Herzen stets Orientierung geben. Polizistinnen und Polizisten bleiben Bürgerinnen und Bürger in Uniform. Das müssen wir wo immer möglich mit sympathischer Offenheit und gesellschaftlicher Nahbarkeit leben.
Lassen Sie uns in diesem Sinne die weiteren Entwicklungen der Bereitschaftspolizeien der Länder gestalten und uns gemeinsam weiter um gesellschaftliche und politische Unterstützung für die Bereitschaftspolizeien in unserem Land werben.
Die Bereitschaftspolizeien sind nicht nur in Friedenszeiten eine tragende Säule der inneren Sicherheit, sondern sie sind DIE strategische Reserve der inneren Sicherheit in Fällen des Krisen–, Spannungs- und im worst Case auch Verteidigungsfalles.
Sich für leistungsstarke wie gesellschaftlich akzeptierte Bereitschaftspolizeien in unserem Land einzusetzen ist – und bleibt auch in den kommenden 75 bzw. 35 Jahren – wie sagt man so schön, den Schweiß der Edlen Wert.
Trotz unserer Bescheidenheit dürfen wir feststellen: Die BPdL sind ein Erfolgsmodell. Fußball-Weltmeister werden wir dieses Jahr nicht mehr, aber bei aller Demut und Zurückhaltung: Gäbe es den Titel BePo-Weltmeister, sähe ich uns zumindest im Finale.
