13.09.2026
„Schnelles Geld – echter Preis“ Hamburg braucht eine Kampagne
gegen kriminelle Karrieren
GdP fordert Präventionsprogramm „Schnelles Geld – echter Preis“ – Presseschau erfasst mindestens 29 Schusswaffentaten in vier Wochen
Ein 14-Jähriger ist mit einer Schussverletzung in einem Kulturverein in Hamburg-Ottensen
gefunden worden. Ein 20-Jähriger erlitt eine Stichverletzung. Beide wurden nach bisherigen
Angaben nicht lebensgefährlich verletzt. Die Hintergründe der Tat und der Kreis der
Tatverdächtigen sind noch ungeklärt.
Für die GdP Hamburg ist der Fall Anlass, eine konkrete Präventionsinitiative zu fordern. Der Senat soll das ressortübergreifende Programm „Schnelles Geld – echter Preis“ auflegen und damit junge Menschen über die Methoden krimineller Anwerbung und die tatsächlichen Folgen von Gewaltkriminalität aufklären.
Lars Osburg, Landesvorsitzender der GdP Hamburg: „Wir wissen noch nicht, was hinter der Verletzung des 14-Jährigen steckt. Deshalb verbieten sich Spekulationen. Der Fall zeigt aber, wie nah Schusswaffengewalt jungen Menschen gekommen ist. Hamburg darf nicht warten, bis aus der Faszination für Waffen, Macht und schnelles Geld eine kriminelle Karriere wird. Wir brauchen das Präventionsprogramm ‚Schnelles Geld – echter Preis‘ – in Schulen, in der Jugendhilfe und dort, wo Jugendliche ihre Vorbilder finden: in den sozialen Medien.“
Eine Auswertung der GdP Hamburg von öffentlich zugänglichen Polizei- und Medienberichten unterstreicht den Handlungsdruck. Zwischen dem 18. August und dem 14. September 2026 wurden bundesweit mindestens 29 mutmaßliche Straftaten mit tatsächlicher Schussabgabe öffentlich bekannt. Mindestens fünf Menschen wurden getötet und 14 weitere durch Schüsse verletzt.
Diese Presseschau ist ausdrücklich kein polizeiliches Lagebild und keine amtliche Kriminalstatistik. Sie erfasst ausschließlich öffentlich bekannt gewordene Fälle und stellt deshalb einen Mindestwert dar. Polizeiliche Schusswaffeneinsätze, reine Bedrohungen sowie Vorfälle ausschließlich mit Schreckschuss-, Luft- oder Softairwaffen wurden nicht berücksichtigt.
Ein einheitlicher Täterkreis lässt sich aus den ausgewerteten Fällen nicht ableiten. Die bekannten Hintergründe reichen von persönlichen Konflikten bis zu möglichen Bezügen zur organisierten Kriminalität. Auch die Rollen junger Menschen müssen klar getrennt werden: In Ottensen wurde ein 14-Jähriger verletzt. Nach den Schüssen auf einen Hamburger Linienbus steht dagegen ein 17-Jähriger unter Tatverdacht.
Prävention, die das echte Leben zeigt
Das Programm „Schnelles Geld – echter Preis“ soll anhand anonymisierter, rechtskräftig abgeschlossener Hamburger Fälle deutlich machen,
• wie kriminelle Anwerbung funktioniert,
• mit welchen Versprechen junge Menschen angesprochen werden,
• wer an den Taten verdient und wer das Risiko trägt,
• welche Folgen Haft, Schulden, Verletzungen und Tod haben,
• und wo Jugendliche Hilfe und glaubwürdige Ausstiegsmöglichkeiten finden.
Innen-, Schul- und Sozialbehörde sollen das Programm gemeinsam mit Polizei, Justiz, Jugendhilfe und erfahrenen Ausstiegspartnern entwickeln. Es gehört in Schulen und Jugendzentren, aber ebenso auf die sozialen Plattformen, auf denen junge Menschen tatsächlich erreicht werden. Die GdP fordert, die Entwicklung noch 2026 zu beginnen und 2027 mit einem Hamburger Pilotprojekt zu starten.
Illegale Waffen früher aus dem Verkehr ziehen
Prävention ersetzt keine Strafverfolgung. Die Sicherstellung von 165 schussfähigen, gefälschten Glock-Pistolen in Köln und Wuppertal zeigt, welche Größenordnung der illegale Waffenhandel erreichen kann. Sechs Tatverdächtige wurden festgenommen, insgesamt vier Haftbefehle vollstreckt. Ein Zusammenhang mit den ausgewerteten Schusswaffentaten ist nicht bekannt. (zoll.de, welt.de)
Die GdP fordert deshalb zugleich einen dauerhaft hohen Ermittlungsdruck von Zoll, Bundeskriminalamt und Länderpolizeien auf Händler, Hintermänner, internationale Lieferketten und Geldströme.
Das Bundeskriminalamt registrierte 2025 bundesweit 37.475 Verstöße gegen das Waffengesetz. In 5.281 Fällen wurde mit einer Schusswaffe gedroht, in 4.360 Fällen geschossen. (bka.de, bka.de)
In Hamburg wurden 2025 insgesamt 262 Straftaten mit Schusswaffenverwendung erfasst, 12,1 Prozent weniger als im Vorjahr. In 150 Fällen wurde geschossen. Die Hamburger Statistik umfasst allerdings auch Schreckschuss-, Gas-, Luft- und Softairwaffen und ist deshalb nicht unmittelbar mit der aktuellen Presseschau vergleichbar.
Hamburg braucht beides: konsequente Ermittlungen gegen den illegalen Waffenhandel und eine Prävention, die junge Menschen erreicht, bevor Kriminelle es tun.
Hinweis zur GdP-Auswertung:
Ausgewertet wurden öffentlich zugängliche Polizei- und Medienberichte über mutmaßliche Straftaten mit bestätigter tatsächlicher Schussabgabe in Deutschland vom 18. August bis einschließlich 14. September 2026. Aufgrund möglicher Nachmeldungen und nicht öffentlich gewordener Sachverhalte besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
